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Fichte – vom Brotbaum zum Notbaum

Fichtenwälder und -forste, wie sie die letzten rund zwei Kilometer rechts des Weges begleitet haben, sind im Teutoburger Wald und insbesondere im Eggegebirge weit verbreitet. Grund ist vor allem menschliches Wirken, denn von Natur aus sind die beiden Mittelgebirge nahezu flächendeckend Buchenwaldgebiet. In der Rodungsphase des Mittelalters waren die Buchenwälder aber entweder zugunsten von lichteren Eichenwäldern oder für die landwirtschaftliche Nutzung zurückgedrängt worden.

Die Fichte wurde in der Egge ab Ende des 18. Jahrhunderts eingeführt und angebaut. Sie ist hier nicht heimisch. Der große Holzverbrauch z. B. für Glaserei und Pottascheherstellung, für Köhlerei und als Baumaterial hatte die Holzvorräte in den Wäldern bis Ende des 18. Jahrhunderts stark dezimiert und die Böden verarmen lassen. Um schnelle Abhilfe zu schaffen, wurde der „eingewanderte preußische Baum“ anstelle von Eichen oder Buchen angepflanzt. Er stellt relativ geringe Ansprüche an die Nährstoffversorgung und zeichnet sich aufgrund seiner Wuchskraft durch vergleichsweise kurze Umtriebszeiten aus.

Fichte – auf vielen Standorten fehl am Platz

Die Fichte bevorzugt feuchte, kühle Standorte und ist daher wenig trockenheits- und hitzetolerant. Wegen der guten Ertragsleistung wurde sie vielerorts aber auch außerhalb ihrer natürlichen Standorte gepflanzt. Schon unter den heutigen Klimabedingungen ist die Fichte dort an der Grenze ihres Toleranzbereichs angelangt. Auch deswegen sind Fichtenwälder oft nur schlecht gegen Extremereignisse wie Stürme gewappnet und besonders anfällig gegenüber dem Befall durch Schädlinge wie den Borkenkäfer. Weite Kahlflächen waren z.B. die Folge der großen Sturmkatastrophen der Jahre 1972 und 1975, als in der Egge über 1.000 Hektar Wald, vornehmlich Fichtenbestände, zerstört wurden. Zuletzt hat 2007 der Orkan Kyrill mit Böen von bis zu 140 Stundenkilometern unter anderem hier auf dieser Fläche große Schäden angerichtet.

Risikofaktor Klimawandel

Eine Zunahme von extremen Wetterereignissen ist eine der prognostizierten Wirkungen des globalen Klimawandels. Eine andere sind häufigere heiße und trockene Sommer, wie wir sie in den Jahren 2003 und auch 2006 erlebt haben. In diesen Jahren haben Hitze, Ozon und Borkenkäfer den Wäldern stark zugesetzt und zu einer deutlichen Verschlechterung des Waldzustands geführt.

Aufgrund ihrer natürlichen Standortvorlieben und ihrer standortfremden Verwendung gilt die Fichte als besonders empfindlich gegenüber den sich ändernden Klimabedingungen. Um den Auswirkungen des Klimawandels wirksam zu begegnen, sind die Anstrengungen der Forstwirtschaft für die kommenden Jahren darauf gerichtet, Fichtenflächen vorbeugend mit klimatoleranten und standortgerechten Baumarten in naturnähere Bestände umzubauen.