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Kleinräumige Klimakontraste

Nachdem bisher vor allem Buchen, Eichen und Fichten Ihren Weg gesäumt haben, stehen Sie hier vor einem Exemplar der Stechpalme (Ilex aquifolium). Dieses immergrüne Laubgehölz macht sichtbar, was sonst in der Landschaft nicht offensichtlich ist – den Übergang zwischen verschiedenen Klimazonen.

Zwischen atlantischen und kontinentalen Einflüssen

Teutoburger Wald und Eggegebirge liegen in einem klimatischen Übergangsbereich: Der feuchte, ausgleichende Einfluss des Atlantiks nimmt ab, im Lee der beiden Mittelgebirge machen sich verstärkt die Eigenschaften des trockeneren, von starken Temperaturgegensätzen geprägten kontinentalen Klimas bemerkbar. Einem kundigen Betrachter hilft die Pflanzenwelt, diesen Unterschiede wahrzunehmen. Denn die natürliche Verbreitung einzelner Pflanzenarten hängt eng mit ihren Ansprüchen an die klimatischen Bedingungen zusammen. In Teutoburger Wald und Eggegebirge sind neben der Stechpalme auch andere Arten wie das Leberblümchen Zeiger für die verschiedenen Klimazonen.

Arealkunde – die Verbreitung von Pflanzenarten

Das so genannte Areal einer Art wird anhand nachgewiesener Fundorte abgegrenzt. Diese Grenze bedeutet nicht, dass die Art außerhalb des Areals überhaupt nicht mehr wachsen könnte. In der Regel ist sie aber unter natürlichen Bedingungen außerhalb dieses Gebietes nicht mehr in der Lage, sich gegen die Konkurrenz anderer Arten durchzusetzen.

Ausreichende Luftfeuchte und milde Winter – lebenswichtig für die Stechpalme

Die Stechpalme benötigt eine ausreichende Luftfeuchte und verträgt als immergrünes und damit frostempfindliches Laubgehölz pro Jahr nur wenige so genannte „Eistage“, an denen die Temperatur nicht über 0 Grad steigt. Die Grenzlinie des Gebietes mit höchstens zwanzig Eistagen pro Jahr markiert etwa die Arealgrenze der Stechpalme. Ihr Areal reicht von Schottland über das atlantische Westeuropa in den Mittelmeerraum bis zum Schwarzen Meer. In Deutschland kommt sie in der norddeutschen Tiefebene und östlich bis etwa an die Elbe vor. Im Naturpark wächst sie noch in den Wäldern von Eggegebirge und Teutoburger Wald. In den östlich gelegenen Wäldern des Lipper Berglandes kommt die Art dagegen nicht vor.

Verträgt kontinentale Klimagegensätze – das Leberblümchen

Andere Arten wie das Leber blümchen (Hepatica nobilis) kommen besser mit den stärkeren Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchte im kontinentalen Klima zurecht. Sie haben ihren Verbreitungsschwerpunkt in den Wäldern und Steppen Osteuropas und Westasiens. Im Teutoburger Wald und dem Eggegebirge und ihrem Vorland haben sie ihre von Natur aus westlichsten Vorposten in Norddeutschland. Das Leberblümchen gehört zu den ersten Frühjahrsblühern, seine Blütezeit erstreckt sich von März bis April. Falls Sie später im Jahr unterwegs sind, können Sie die Pflanze an ihren dreilappigen, lang gestielten Blätter erkennen, deren Umriss an eine menschliche Leber erinnern soll.

Der Siebenstern – ein Überbleibsel der Eiszeit

Während der Eiszeiten dehnten Pflanzenarten, die ursprünglich in arktischen Regionen oder in den Hochgebirgen verbreitet waren, ihre Areale nach Süden oder in tiefere Bereiche aus. Als es wieder wärmer wurde, konnten sie sich an einzelnen geeigneten Standorten halten. Auch der Siebenstern (Trientalis europaea) ist ein Eiszeitrelikt und fühlt sich in den kalten Hochlagen der Mittelgebirge am wohlsten. Im Naturpark kommt er unter anderem im nahegelegen Klippen- und Felsenmeer vor.