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Klima – ganz klein

Wo man hinschaut im Wald, überall wachsen Moose und Flechten. Aber wirklich überall? Wenn Sie mal genauer hinschauen, dann können Sie erkennen, dass Flechten, Moose, Algen und Pilze charakteristische räumliche Verteilungsmuster ausbilden. Schauen Sie sich z. B. mal den Baumstamm vor Ihnen ganz genau an. Die Flechten wachsen nicht um den gesamten Stamm herum, sondern gedeihen nur an einer Seite. Das ist die Wetterseite. Sie ist bei den in unseren Breiten vorherrschenden Windrichtungen dem Wind und Niederschlag am stärksten ausgesetzt.

Hier, wo der Stamm am feuchtesten ist, entwickeln sich die Flechten quasi aus dem Nichts. Ein bisschen Wasser, ein bisschen Kohlenstoff aus angeflogenen Stäuben, vielleicht noch ein bisschen Stickstoff aus Vogelkot, ein bisschen Licht für die Photosynthese, saubere Luft in der Umgebung und schon sind sie da, in unterschiedlichsten Formen und Farben.

Flechten – Symbiosen für das ganze Leben

Flechten sind kein einzelner Organismus, Flechten sind eine Lebensgemeinschaft zwischen einem Pilz und einer Alge. Da der eine Partner der Lebensgemeinschaft vom anderen profitiert bzw. die Partner nur in der Gemeinschaft überleben können, spricht man von einer Symbiose.

In der Symbiose umspinnen die feinen, eng verschlungenen Pilzfäden die Algen oder dringen sogar in diese ein. Auf diesem Wege können beide Lebenspartner Stoffe untereinander austauschen. Die Alge betreibt Photosynthese und bildet auf diesem Wege Stärke (Glucose), die dem Pilz als Lebensgrundlage dient. Als Gegenleistung bietet der Pilz der Alge Lebensraum und Schutz vor Austrocknung. Er ermöglicht der Alge damit ein Dasein in einem Lebensraum, den sie sonst nicht besiedeln könnte. Außerdem liefert der Pilz der Alge mineralische Stoffe. So ist es möglich, dass Flechten auch in den unwirtlichsten Lebensräumen wie beispielsweise auf nacktem Fels gedeihen können.

Allerdings ist die Symbiose auch empfindlich gegen Störungen von außen. Ist einer der beiden Partner beeinträchtigt, dann leidet die Lebensgemeinschaft oder es kommt sogar zum Absterben der Flechte. Aufgrund ihrer hohen Empfindlichkeit werden Flechten auch als „Bioindikatoren“ zur Beurteilung der Luftqualität eingesetzt. Bereits geringe Luftverschmutzungen hinterlassen bei den Flechten ihre Spuren durch Verfärbung und Wachstumsstörungen.

Mikro – Meso – Makro

Das Flechtenwachstum macht deutlich: Klima wirkt nicht nur großräumig, bildet ganze Landschaften und formt die Vegetation. Klima ist auch ein ganz kleinräumiges Phänomen. Sonne und Schatten, die Exposition gegenüber Wind und Niederschlag, all das schafft das so genannte Mikroklima, das sich im Bereich bodennaher Luftschichten ausbildet. Mikroklimate entstehen zwischen einzelnen Bäumen, Felsen oder auch Häusern in Städten.

Von Mesoklima spricht man, wenn sich ein charakteristisches Klima über einige hundert Meter oder wenige hundert Kilometer ausbildet. Stadtklima und Waldinnenklima sind solche Mesoklimate. „Makro“ ist das Klima dann, wenn es über Entfernungen von mehr als 500 Kilometern als annähernd homogen beschrieben werden kann. Klimazonen wie das kühl-gemäßigte Klima unserer Breiten, das polare Klima der Arktis und Antarktis oder auch das tropische Klima in Äquatornähe gehören zu den Makroklimaten.