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Steter Tropfen höhlt den Stein

Wenn Sie an dieser Stelle über die Brücke den Hang hinaufsteigen, dann gelangen Sie zum „Opferstein“. Es handelt sich um einen rund 15 Kubikmeter mächtigen Sandsteinblock. Ihn wollen wir zum Anlass nehmen, über die Zusammenhänge von Klima und Gesteinsverwitterung nachzudenken.

Aber Vorsicht! Sie brauchen zwar nicht befürchten, dass Sie dort oben am Opferstein Dämonen begegnen, aber der Aufstieg ist steil und kann bei Feuchtigkeit auch sehr rutschig sein.

Opferstein – Kultstätte mitten im Wald

Der Opferstein ist vermutlich eine alte Kultstätte. Hier sollen in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten Einzelpersonen oder Familien ihre Gaben dargebracht haben. Die Opfer waren für die furchterregenden Dämonen bestimmt und sollten diese milde stimmen. Die Gaben waren vielfältiger Art. Geopfert wurden der Sage nach unter anderem Schmuck, Feldfrüchte, Obst und Tieropfer wie Pferde, Rinder, Schweine und Schafe.

(Ver-)Witterung

Verwitterung, das lässt sich schon aus dem Wort herauslesen, hat etwas mit Wetter und Witterung und damit auch etwas mit dem Klima zu tun. Die Blöcke unterschiedlicher Größe, die hier im Felsen- und Klippenmeer verstreut sind, sahen nicht immer so aus wie heute. Unter dem Einfluss mechanischer und chemischer Zerstörungsprozesse sind sie gespalten, gebrochen, ausgehöhlt und geschliffen worden.

Die Art der Gesteinszerstörung bzw. Verwitterung hängt vom Gestein selbst sowie vom Klima und von den auf das Gestein einwirkenden Stoffen aus der Luft und dem Wasser ab. Dringt Wasser in Hohlräume des Gesteins ein und gefriert, so wirkt die Volumen zunahme des Eises wie eine kleine Sprengladung. Besonders massiv wirkt die Frostsprengung bei häufigem Wechsel von Tauen und Gefrieren. Durch Temperaturschwankungen und eine unterschiedliche Ausdehnung der Gesteinsmineralien bei Sonneneinstrahlung und Erwärmung entstehen Spannungen im Gestein, die zu einer Zerstörung des Korngefüges führen. Einen ähnlichen Effekt hat Wasser, das an den Gesteinsbrocken ab- oder in diese hineinfließt und die Mineralien (insbesonder Salze) aus dem Gestein herauslöst. Säurehaltiger Niederschlag („saurer Regen“) greift nicht nur Pflanzen, sondern auch Stein an, indem Mineralien gelöst werden. Hinzu kommt pflanzlicher und mikrobieller Bewuchs, der auf mechanischem Wege und durch chemische Prozesse wie die Aussonderung von Säuren Verwitterungsprozesse beschleunigen kann.

Verwitterung baut Landschaften

Durch die Wirkungen des Klimas auf die Gesteinsverwitterung sind über Jahrmillionen weltweit ganze Landschaften entstanden, und sie entstehen noch immer, manchmal schleichend und kaum merkbar, manchmal in Form dramatischer Bergsturz- und Steinschlagereignisse, bei denen stete Tropfen das „Fass zum Überlaufen“ gebracht haben. Je dynamischer sich Klimaveränderungen vollziehen, desto größer werden die Auswirkungen auf die Gesteine sein.

Im Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge sind Wirkungen von Verwitterung und Erosion besonders gut an den Externsteinen bei Horn-Bad Meinberg zu sehen.