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Kloster Hardehausen

Wirtschaften im Klimaoptimum

Das ehemalige Zisterzienserkloster Hardehausen wurde 1140 durch den Paderborner Bischof Bernhard I. von Oesede gegründet. Es war die erste Niederlassung des Ordens in Westfalen. 300 „Graue Mönche“ lebten damals nach den Regeln des Hl. Benedikt im Kloster. Die imposante, aus Eggesandstein erbaute Anlage mit den ehemaligen Kloster-, Wirtschafts- und Mühlengebäuden, dem Abtshaus, der riesigen Zehntscheune, den Fischteichen, dem Schafstall und dem Dorfkrug lässt erahnen, welche wirtschaftliche Bedeutung dieses mittelalterliche Gemeinwesen in der damaligen Zeit innehatte.

Nicht in jeder Hinsicht milde Zeiten

Wenn auch geprägt von Pest und erdrückenden Frondiensten für die Grundherren so gehörte das Mittelalter zumindest klimatisch zu einer begünstigten Epoche. Die Gründung des Klosters fiel in die Phase des so genannten „mittelalterlichen Klimaoptimums“. Es dauerte von 800 / 900 bis 1300 / 1350. In regionaler und zeitlich unterschiedlicher Ausprägung, aber inzwischen weltweit nachgewiesen, lagen die Temperaturen um rund 1 Grad höher als im 30-Jahreszeitraum 1961-1990.

Die Anbaugrenzen in den deutschen Mittelgebirgen lagen etwa 200 Meter höher als heute. Unter anderem infolge der Klimagunst unterlagen Flächen, die heute von Wald bedeckt sind, damals der Acker- und Grünlandnutzung. Der Flächenanteil des Waldes ging in Deutschland während dieser Phase auf unter 20% zurück.

Das vergleichsweise warme Klima erlaubte den Weinanbau bis nach Südschottland – und auch in Ostwestfalen, z.B. am Weinberg des Klosters Corvey in Höxter oder in Blomberg. Getreideanbau war in Norwegen bis fast zum Polarkreis hinauf möglich, das Packeis im nördlichen Atlantik zog sich nach Norden zurück. Diese Erwärmung erlaubte es den Wikingern, Island und Grönland (das bedeutet Grünland) zu besiedeln.

Viel Schwein in Hardehausen

Die vergleichsweise milden Verhältnisse förderten in ganz Mitteleuropa den Aufwuchs von Laubbäumen. Insbesondere die wärmeliebenden Eichen fanden günstige Bedingungen vor. Der hohe Anteil von Eichen und Buchen an den mittelalterlichen Baumbeständen begünstigte die Schweinemast. Man bewertete einen Wald damals oft weniger nach seiner Eignung und seinem Wert für die Holzgewinnung als vielmehr nach seinem Reichtum an Bucheckern und Eicheln. Dies bestimmte, wie viele Schweine sich dort weiden ließen. Eine dementsprechend bedeutende Rolle spielte die Schweinemast auch für das Kloster Hardehausen. Während seiner Blütezeit war die Haltung von Schweinen die Haupteinnahmequelle. Dass sich um das Kloster damals ausgedehnte Hudewälder befunden haben, lässt sich heute noch an den alten Eichen im Waldstück Rehwinkel erkennen.

Im Freilichtmuseum in Oerlinghausen können Sie noch heute mittelalterliche Weideschweine bestaunen.