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Das Mühlenwesen

Neubau des Mühlrades im Jahr 1986 Karl Thiele, Werner Schröder, Heinrich Büker, Werner Ridder, Siegfried Seidel und Wilhelm Lutter (von hinten nach vorne, Quelle: Heimat- und Verkehrsverein Elbrinxen)


Die ersten Siedler ließen sich hier im 9. Jh. nieder. Der Boden war fruchtbar und die Wasserversorgung sicher. Zur Lebensgrundlage eines Dorfes, dessen Basis die Landwirtschaft bildete, waren Mühlen unverzichtbar. Während des Mittelalters bis ins 19. Jh. standen Mühlen im Eigentum der jeweiligen Grundherrschaft. Die Mühlenpächter zahlten in Form von Naturalien, später in Geld. Forstdienste für das Holz zum Betrieb der Mühle mussten teilweise geleistet oder auch mal ein Jagdhund für die Herrschaft in Lippe gefüttert werden.

Hier in der Region gab es Wassermühlen, wohl ab dem 11. Jahrhundert. Wichtig war bei der Standortwahl vor allem die ausreichende Wasserversorgung. War die nicht garantiert, mussten andere Wasserzuflüsse genutzt oder Mühlteiche angelegt werden. In trockenen Sommern standen diese Mühlen still. Erst starke Regenfälle oder Gewitterschauer machten den Betrieb wieder möglich. Deswegen nannte man diese Mühlen auch Gewittermühlen. Die „Elbrinxe“ (Ilsenbach) allerdings versorgte die Mühlen (Obere und Untere Mühle) mit genügend Wasser.

Das für die „Obere Mühle“ erforderliche Wasser wurde vom Mühlgraben über einen Flutkasten auf das Mühlrad geleitet, das das Mahlwerk antrieb. Es wird erzählt, dass der Mühlgraben seinerzeit durch Falkenhagener Mönche angelegt worden sei, die oberhalb des Dorfes ein Wehr anlegten und so das Wasser aus der Elbrinxe in den Mühlgraben abzweigten.

Die „Obere Mühle“ wird urkundlich erstmals erwähnt 1585. In dieser Zeit war das neue Dorf Elbrinxen – die alte Siedlung wurde in der Soester Fehde 1447 völlig zerstört – eines der größten Orte im Lippischen Südosten und die Mühle existenzieller Bestandteil des bäuerlichen Wirtschaftens. Die Mühle wurde alle 12 Jahre neu verpachtet. Aber nicht alle Pächter machten ihrer Zunft Ehre. Die Beschwerden der Bauern führten dazu, dass der Biesterfelder Graf Rudolph Ferdinand 1733 den Bau einer weiteren Mühle erlaubte, den die Gemeinde selbst finanzieren musste. Die „Untere Mühle“ entstand und wurde bis 1960 als Mahl- und Sägemühle betrieben.

Durch Strukturänderungen in der Landwirtschaft und den Ausbau von günstigeren Großmühlen begann in den 50er Jahren der Niedergang der handwerklichen Mühlen. Die „Obere Mühle“ stellte 1970 ihre Arbeit ein. Am Standort der „Unteren Mühle“ wurde nach deren Stilllegung 1960 ein Betrieb zur Weiterverarbeitung von Altpapier eingerichtet. Die sogenannte „Pappmühle“ existiert bis heute.

Quelle: Willy Gerking 1986: Elbrinxen – ein lippisches Dorf im Wandel der Zeit; Wikipedia