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Kaltluft – Zäh wie Honig

Von der Amerunger Kapelle haben Sie einen schönen Blick in das Tal der Altenau. Der Fluss hat sich zwischen 50 und 70 m tief in die Hügel des südlichen Eggegebirges eingegraben. Rundherum gibt es viele kleine Täler. Diese Täler transportieren nicht nur Wasser, sie bringen auch Kaltluft zur Talsohle. Kalte Luft ist schwerer als warme und kann schon bei geringen Geländeneigungen ab etwa ein bis 2° talwärts fließen. Voraussetzung ist natürlich, dass nicht zu viel Wind herrscht. Kalte Luft fließt langsamer als Wasser. Stellen Sie sich flüssigen Honig auf einem Löffel vor, dann haben sie ein ziemlich gutes Bild von den Fließeigenschaften von Kaltluft. Wo kommt die kalte Luft her? Sie bildet sich über den Wiesen und Feldern, oberhalb des Altenautals. Genauso wie sich am Tag die Bodenoberfläche durch die Sonne schnell erwärmt, strahlt er diese gespeicherte Wärme in klaren Nächten schnell wieder aus. Dabei kühlt sich die Luft in Bodennähe besonders stark ab. Diese Luft sammelt sich im Talgrund. Weil sie hier nur schlecht abfließen kann, wird sie zu einem regelrechten Kaltluftsee aufgestockt. Diese Kaltluft ist vor allem im Frühjahr und Herbst gut zu sehen. Aufsteigende Nebel, reifbedecktes Laub und Tau auf den Wiesen sind Zeichen der nächtlichen Kälte und Feuchtigkeit.