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Fürstenallee

Das Naturdenkmal Fürstenallee ist ein eindrucksvoller Abschnitt der historischen Wegeverbindung zwischen der lippischen Residenzstadt Detmold und dem Bischofssitz Paderborn. Ihr Alter wird auf ca. 300 Jahre geschätzt. Die etwa 3 km lange Allee besteht aus rund 1.000 Bäumen und gilt als herausragendes barockes Zeitzeugnis von bundesweiter Bedeutung.

Sie beginnt am Nordrand der Strotheniederung und verläuft in gerader Richtung bis zum traditionsreichen Kreuzkrug. Nördlich schließt sich der Gauseköte-Pass über den Teutoburger Wald an.

Anlass für die Errichtung der Prachtallee war der Bau des auf halbem Weg zwischen Detmold und Paderborn liegenden lippischen Jagdschlosses Oesterholz gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Zur Zeit des barocken Absolutismus in Lippe hatte die Fürstenallee somit eine repräsentativ-hoheitliche Funktion. Adeligen Reisenden sollte der Wohlstand und die Autonomie des kleinen Landes Lippe aufgezeigt werden.

Die Besonderheit der Fürstenallee besteht darin, dass sie doppelreihig in vier Bahnen aus Eichen und auch Buchen aufgebaut ist. Die seitlich am Hauptweg entlang geführten sog. Sommerwege besaßen auch einen praktischen Nutzen. Inmitten der relativ baumlosen Sennelandschaft boten die früheren Reit- und Fuhrmannswege ein angenehmes Reisen im Schutz und Schatten der Bäume. Heute werden diese Abschnitte als Rad- und Fußwege genutzt.

Aufgrund ihres stattlichen Alters befindet sich die Fürstenallee in ihrem natürlichen Alters- und Zerfallsstadium. Zusätzlich schwächen Schadstoffimmissionen aus der Luft, Klimawandel und verstärkter Krankheitsbefall den Baumbestand. Viele Bäume sind daher bereits abgestorben, krank oder stark geschwächt. Inzwischen sind in Teilbereichen größere Lücken zu erkennen. Aufgrund dessen ist der Fortbestand der Fürstenallee in ihrer ursprünglichen durchgängigen und einheitlichen Form in Gefahr. Zudem wird die Sicherung des Straßenverkehrs immer aufwändiger und kostspieliger.

Um den historischen Zustand der Doppelallee zu erhalten und für die Zukunft zu sichern, wurde daher der schrittweise Umbau der Fürstenallee beschlossen. Hierbei wird die weitgehende Erhaltung der ursprünglichen Eichen-Erstbepflanzung als Alteichen-Zeitzeugen angestrebt. Gemäß dem erarbeiteten Leitbild soll die Fürstenallee nach dem historischen Vorbild wieder als reine Stieleichenallee hergerichtet werden. Der Umbau wird zeitlich und räumlich gestaffelt in drei Abschnitten realisiert werden. Miteinbezogen wurde die Allee zum ehemaligen Jagdschloss, wo der Umbau als Sofortmaßnahme bereits begonnen hat. Der Beginn der Arbeiten an der eigentlichen Fürstenallee erfolgt in Kürze. Bis 2020 sollen der sukzessive Umbau und die Neupflanzungen in allen Abschnitten abgeschlossen sein.

Die alte Allee mit ihren zahlreichen Baumhöhlen und Alt- sowie Totholzstrukturen ist als wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tierarten bekannt. Spechte nutzen sie vor allem als Nahrungshabitat; der Buntspecht brütet sogar an der befahrenen Alleestraße. Bemerkenswert ist die Bedeutung der Fürstenallee für Fledermausarten. Im Jahr 2005 konnten 7 verschiedene Arten festgestellt werden: die Rauhhautfledermaus, die Fransenfledermaus, die Wasserfledermaus, die Bartfledermaus, der Große Abendsegler, der Kleine Abendsegler und die Zwergfledermaus.

Die geraden Baumreihen dienen den Fledermäusen als Verbund- und Leitsystem zwischen Haverkampsee und Teutoburger Wald z. B. bei Jagdausflügen. Auch Fledermäuse nutzen also die Allee als „Straße“. Zudem ist für den Großen Abendsegler nachgewiesen, dass er die Baumhöhlen als Sommer- und Winterquartier annimmt.