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Neophyten

An diesem Standort tritt ein Massenaufkommen der Kanadischen Goldrute auf. Diese im Spätsommer intensiv gelb blühende Hochstaude kann bis 2 m Höhe erreichen. Sie gilt als invasiver Neophyt, eine vom Menschen eingeschleppte Art, die sich ungehindert und massenhaft in ihrer neuen Heimat ausbreiten kann, da dort z.B. Fraßfeinde fehlen. Neophyten sind Neubürger, die nach 1492 (Entdeckung Amerikas) unbewusst oder bewusst vom Menschen in Gebiete eingeführt wurden, in denen sie natürlicherweise nicht vorkamen.

Die Goldrute stammt also aus Nordamerika und wurde bei uns als Zier- und Gartenpflanze sowie als Bienenweide angepflanzt. Von diesen künstlichen Wuchsorten ausgehend breitete sich die Pflanze schon im 19. Jahrhundert in ihrem neuen Areal aus. Ihre Ausbreitung erfolgt dabei sowohl über Wurzelorgane als auch über eine reiche Samenproduktion. Vor allem auf Ruderalstellen und entlang von Bahngleisen kommt es zur Entwicklung dichter Dominanzbestände. An dieser Stelle ist ein Einwandern der Art über abgelagerten Bauschutt oder Gartenabfall mit Wurzelresten wahrscheinlich. Die Zukunft wird zeigen, wie sich die heimischen Arten auf den konkurrenzstarken Neubürger einstellen können und welchen Platz die Art in den heimischen Ökosystemen einnehmen wird.

Ein weiterer Neophyt, der absichtlich in Deutschland eingeführt wurde, ist die Spätblühende Traubenkirsche. Auch diese Art verfügt über eine hohe Reproduktionsrate und breitet sich seit einigen Jahren massiv aus. Auch im Augustdorfer Dünenfeld finden wir in der Strauchschicht der Kiefernwälder teilweise dichte Bestände der Spätblühenden Traubenkirsche.

Ihre schwarzen Früchte werden gern von Vögeln und auch von Säugetieren aufgenommen. Die Tiere sorgen über die im Kot abgesetzten Samen für die Ausbreitung der Traubenkirsche.
Die Forstwirtschaft hat die Art seit dem 19. Jahrhundert verstärkt auf armen Sandböden angebaut, da man sich hohe Holzerträge versprach. Zudem sollten ihre Wind- und Brandschutzeigenschaften in den feuergefährdeten Kiefernforsten ausgenutzt werden und die Bodenfruchtbarkeit durch das nährstoffreiche Falllaub gefördert werden. Da ihr Wuchsverhalten in Europa jedoch anders ausfällt als in ihrer nordamerikanischen Heimat, konnte sich die Hoffnung auf gute Erträge nicht erfüllen. Ihr Wuchs ist bei uns meist strauchförmig, selten findet man baumartige Exemplare, die aus forstwirtschaftlicher Sicht interessant sein könnten.

Durch ihre starke Ausbreitung auf nährstoffarmen Standorten und im Unterwuchs von lichten Kiefernwäldern verändert die Spätblühende Traubenkirsche die Artenzusammensetzung dieser wertvollen Lebensräume. Pflanzen der mageren, offenen und lichten Standorte werden durch die Beschattung und Nährstoffanreicherung durch die Traubenkirsche verdrängt. In Kiefernwäldern bewirkt die Spätblühende Traubenkirsche durch die Ausbildung einer dichten geschlossenen Strauchschicht eine Unterdrückung der natürlichen Bodenvegetation.

Aufgrund dieser Eigenschaften wird die Spätblühende Traubenkirsche insbesondere auf naturschutzfachlich wertvollen Flächen bekämpft. Diese notwendigen Pflegemaßnahmen werden z.B. von der Biologischen Station Senne übernommen. Das hohe Regenerationsvermögen der Traubenkirsche durch Wurzelbrut und Stockausschlag erschwert jedoch die Zurückdrängung der Art.